Automobilindustrie am Tipping Point

Tesla S beim Laden – © Joseph Thornton
Tipping Points sind Punkte, an denen sich gesamte Industriezweige für immer verändern. Übersieht man einen derartigen Zeitpunkt, kann das den Ruin bedeuten, denn „If a trend becomes obvious – you are too late.“ (Paypal- und Tesla-Gründer Elon Musk). Der Trend- und Zukunftsforscher Lars Thomsen sieht die Automobilindustrie an einem derartigen Scheideweg.

In den nächsten 10 Jahren (klingt lange, sind „aber bloß 520 Wochen“) erwartet er für diese Branche nichts weniger als eine Revolution, denn: Die Automobilindustrie gleicht einem Topf mit Maiskörnern. Selbst auf der heißen Flamme passiere lange Zeit nichts und das rufe die ersten Zweifler bald auf den Plan. Sobald aber das Öl eine Temperatur von 163 Grad erreicht hat, startet eine exponentielle Entwicklung…

Der amerikanische Stromflitzer Tesla ist gewissermaßen das erste Maiskorn im Wandel der Antriebstechnologie(n). Das inzwischen nicht bloß Hollywood-Größen bekannte Modell wird zwar erst seit November 2012 ausgeliefert und ist bis dato auch nur in den USA lieferbar, sein Verkaufserfolg ist aber bemerkenswert: Tesla verkauft sich besser als die Produkte aller Premiumhersteller in diesem Segment (auf diesem Markt).

Verkäufe in den USA im 1. Halbjahr 2013

Die angestammten Marken reagieren auf diesen Erfolg „klassisch“: Das wären die Early Adapters und Vorbesteller – das ebbe wieder ab, abwarten wäre angesagt. Naja – Tesla ist vielleicht nur ein erstes Maiskorn. Aber definitiv geht’s hier um einen Tipping Point. Und: Tesla verdoppelt momentan die Produktion.

„Die Automobilindustrie verändert sich in den nächsten 10 Jahren mehr, als in den letzten 50 Jahren.“

Geht es nach dem Trendforscher, wird bereits ab 2016 die Nachfrage nach Verbrennungsmotoren massiv zurückgehen. Dank fortschreitender Technologien und fallender Speicherpreise sollten die Einschränkungen der heutigen Elektrofahrzeuge (Reichweite und Preis) wegfallen und konventionelle Antriebe einfach keinen Vorteil mehr bieten.

Natürlich sind wieder einmal „neue Player aus einer ganz anderen Ecke“ zu erwarten: Elektronikkonzerne wie LG und Samsung werden im Mobilitätssektor mitmischen. Sie haben zwar keine Erfahrung mit komplexen Verbrennungsmotoren, verfügen allerdings über Know-how in den Bereichen Elektronik und Batterien.

Viele Industrien haben sich in der Vergangenheit eingeredet: „Das geht nicht so schnell, das dauert noch, das wollen die Konsumenten gar nicht.“

Doch schon 2015 könnten 5% der verkauften Fahrzeuge in Nordamerika, Japan, China und Europa Elektrofahrzeuge sein. 2016 soll die Nachfrage nach Verbrennern massiv zurückgehen und ab 2017 werden selbst Hybridantriebe nicht mehr verkaufbar sein. Ab 2017 wird es für Gebrauchtwagenhändler sehr schwer werden, Autos mit Verbrennungsmotoren anzubringen. Ab 2018 sieht Thomsen sogar das Verschwinden von Diesel-Bussen in den Städten.

Ich gebe ja zu:

Vor allem an die prognostizierte Geschwindigkeit und E-Mobility im Schwerverkehr glaube ich persönlich (noch) nicht so ganz. Aber die „Popcorn-Denke“ von Lars Thomsen hat etwas. Er bringt überzeugende Argumente, interessante Anregungen und fasziniert seine Zuhörer mit gelungenen Metaphern.

Und einen Tesla hätte ich auch gerne ツ

Hier der gesamte Vortrag auf der 25th International AVL Conference „Engine & Environment“ im September 2013 in Graz:

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