Entwicklungsländer leiden am meisten unter Wetterextrema

© Robson/pixelio.de

Überschattet von der „Haiyan“-Katastrophe auf den Philippinen hat der deutsche Thinktank Germanwatch vor kurzem den Globalen Klima-Risiko-Index 2014 präsentiert. Dieser Index zeigt, wie stark einzelne Länder von Wetterextrema wie Überschwemmungen, Stürmen, Hitzewellen etc. betroffen sind.

Insgesamt starben zwischen 1993 und 2012 mehr als 530.000 Menschen als direkte Folge von mehr als 15.000 extremen Wetterereignissen. Monetär kam es in diesem Zeitraum zu Verlusten von mehr als 2,5 Billionen USD in Kaufkraftparitäten (USD 1,75 Billionen Verlust in Originalwerten).

Auf Platz eins bis zehn der meistbetroffenen Länder befindet sich kein Industrieland oder Annex-I-Land der Klimarahmenkonvention, sondern vielmehr Entwicklungsländer mit niedrigem oder niedrigem mittleren Pro-Kopf-Einkommen: Zwischen 1993 und 2012 waren Honduras, Myanmar und Haiti am stärksten von extremen Wetterereignissen betroffen, ihnen folgen Nicaragua, Bangladesch und Vietnam. Im Jahr 2012 wird die Liste von Haiti, den Philippinen und Pakistan angeführt. In Haiti hat Hurrikan Sandy enorme Schäden verursacht, was die Spitzenposition des karibischen Landes im diesjährigen Klimarisikoindex erklärt. Die Philippinen, die auch dieses Jahr wieder Opfer einer verheerenden Klimakatastrophe sind, wurden im Dezember 2012 von Taifun Bopha hart getroffen und Pakistan war zum dritten Mal in Folge von gewaltigen Überschwemmungen betroffen.

Die Ergebnisse zeigen die besondere Verwundbarkeit der armen Länder, die selbst unter Berücksichtigung der Tatsache, dass die monetären Schäden in den reicheren Ländern meist wesentlich höher sind, auch relativ gesehen viel stärker als Industrieländer betroffen sind. Darüber hinaus muss man anerkennen, dass diese Regionen am wenigsten für den Klimawandel verantwortlich sind.

Viele Entwicklungsländer ergreifen bereits Maßnahmen, um sich auf klimabedingte Katastrophen vorzubereiten und die Anpassung an extreme Wettereignisse voranzutreiben. Allerdings ist eine ausreichende finanzielle und institutionelle Unterstützung erforderlich, um ihre Katastrophenvorsorge auszubauen und ihre Widerstandsfähigkeit weiter zu stärken.

Der Index zeigt aber auch deutliche Klimaschäden in Industrienationen, wobei die Länder Osteuropas in der Wetter-Anfälligkeit weit vorne liegen. Doch paradoxerweise verfolgen ausgerechnet Länder wie Russland oder Polen oft eine „sehr schwache Klimapolitik“. Dürren und Überschwemmungen, die 2012 große Teile des Balkans, Osteuropas und den Süden Russlands ebenso wie verheerende Großflächenbrände im Jahr 2010 betrafen, haben die Vulnerabilität der Gastgeberregion des diesjährigen UN-Weltklimagipfels (COP 19 in Warschau) bestätigt. Dies sollte als Weckruf für die Region dienen, ihre nationale wie auch internationale klimapolitische Position zu stärken.

Wenngleich die Auswertungen über die Schäden und Todesopfer keine Aussage darüber erlauben, welchen Einfluss der Klimawandel bereits bei vergangenen Ereignissen hatte, so lässt sich doch ein Bild der Verwundbarkeit der Staaten zeichnen. Die Ergebnisse können damit als Warnsignal verstanden werden, sich auf zukünftig möglicherweise vermehrte und stärkere Extremereignisse besser vorzubereiten.

Den gesamten Bericht (PDF/1,2 MB) finden Sie unter http://germanwatch.org/de/7659

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